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 nachdenklich unterwegs

Gehe nicht, wohin der Weg führen mag,

sondern dorthin, wo kein Weg ist,

und hinterlasse eine Spur.

(Jean Paul, 1763 – 1825)


Ø Irgendwie sind wir alle immer irgendwo unterwegs.

Ø Es gibt Wege unter dem Schnee, die wir nicht sehen. Es gibt Spuren im Schnee, unter denen kein Weg ist. 

Ø Die Spuren des Wilds verraten Richtung ins Undurchdringliche.

Ø Unsere Häuser sind Nomadenzelte. 

 Aufgeschriebene Gedanken.

Verfasser:

Albert Eggers, Hauptstraße 3, 34305 Niedenstein,

Tel 05624-6142, Email: agentureggers@t-online.de,

www.nachdenklich-unterwegs.eu

Copyright Albert Eggers 2012. Vervielfältigung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verfassers.

 Inhaltsübersicht

 Der Tag beginnt. Eigene Gedanken. Zitate Anderer.

Seite 3- 4Der Schrei. Und die ewig aktuelle Frage: Wie kann der liebe Gott so was zulassen?

Seite 4Über die Möglichkeiten und die Grenzen, die Gott hat.

Seite 5 - 6Über die Möglichkeiten und die Grenzen, die ein Mensch hat.

Seite 7 - 8Sag mir, warum nur, warum!?

Seite 8 - 11Und der Tod? Macht er nicht alle ehrlichen Bemühungen sinnlos?

Seite 11 - 12Gott – Erde – Menschheit. Denkmodelle in der Bibel.

Seite 12 - 21Aufruf zum Umdenken: Die Botschaft vom Reich Gottes in der Bergpredigt.

Seite 21 - 26Was, wenn Gott – Jesus – Heiliger Geist die Welt endgültig verließen?

Seite 26 - 28Der Auftrag: Erfolgreich die Welt zum Guten verändern!

Seite 28 - 31Ungeschützt den Gewalttätern ausgeliefert?

Seite 32 - 35Lieber Gott, welche Chance hast du wirklich?

Seite 35Mein Denkansatz: Mit Gottes Gedanken denken, mit Gottes Willen wollen.

Seite 35 – 37Das Reden von der Sünde. Die berauschende Droge fast aller Theologien nach Jesus.

Seite 37 - 38Lebenszeit. Tod. Wann ist ein Leben „erfüllt“?

Seite 39 - 40Versöhne dich mit dir selbst.    

Seite 40 - 41Gebete.                                  

Seite 41 - 43Der liebe Gott – wer ist das?    

Seite 43 - 44Auf den Spuren von Martin Luther

Seite 44 - 55Märtyrer des Lebens               

Seite 55 - 62Eigene Gedichte.                     

Seite 62 - 65Unangebrachte Gedanken eines an Grippe erkrankten Ehemannes über den Alltag einer Familien- und Hauswirtschafts-Frau

Seite 65 - 71Nachwort. Text Dietrich Bonhoeffer 1943.

Seite 71


  „ …..  weil wir im Winde treiben“ (Jochen Klepper 1937)

Der Tag beginnt.

Nutze den Tag, solange er da ist.

 

Jeder Tag kommt aus der Nacht der unendlichen Schöpfung,

er beginnt mit dem Aufgang der Sonne,

er gewinnt allmählich an Licht und Wärme

und bleibt in diesem Zustand lange Zeit,

bis er sich zum Abend hin neigt,

der mit der untergehenden Sonne

den Tag noch einmal wunderbar erleuchtet,

bevor dieser sich in der Unendlichkeit der Nacht verliert,

wo ein neuer Tag zu werden beginnt.

(nach Sri Aurobindo)

 

·         Eigene Gedanken

 

Jeder Tag ist wie ein ganzes Leben. Nutze den Tag, solange er da ist. Alles fließt. Alles ist in Bewegung. Auch wir. Irgendwie sind wir alle immer irgendwo unterwegs. Vielleicht sind wir auch im Tode noch unterwegs. Woher, wissen wir, Gott weiß, wohin. Wichtig ist, dass wir immer auch nachdenklich unterwegs sind. Nicht zu viel davon, sondern nur so viel, dass Nachdenklichkeit Freude auslöst und das Leben interessant bleibt. Es gibt Wege unter dem Schnee, die wir nicht sehen. Es gibt Spuren im Schnee, unter denen kein Weg ist. Unsere Häuser sind Nomadenzelte.

Versöhne dich jeden Tag mit dir selbst, wenn du dich vielleicht anklagst, weil du meinst, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, die jetzt aber nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

 

·         Zitate Anderer

Komm in unser festes Haus, der du nackt und ungeborgen. Mach ein leichtes Zelt daraus, das uns deckt kaum bis zum Morgen; denn wer sicher wohnt, vergisst, dass er auf dem Weg noch ist.

(Ev. Kirchengesangbuch Nr. 428, Vers 4)

 Alles fließt. Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben Fluss. Wir sind es und wir sind es nicht. (Heraklit)

Ich denke. Also bin ich. (Descartes)

Gib jedem Tag die Chance,

der schönste deines Lebens zu werden. (Mark Twain)

Wenn wir wie Brüder beieinander wohnten, Gebeugte stärkten und der Schwachen schonten, dann würden wir den letzten heilgen Willen des Herrn erfüllen. (Ev. Kirchengesangbuch Nr. 221, Vers 2)

Braucht nur ein Tauwind sich zu heben.- Verzagt Gemüt,

blick’ in die Welt und lerne leben: Der Winter blüht.

(Rudolf Alexander Schröder, Im halben Eise)

 Der Schrei. Alle Schreie auf der Erde

zu einem einzigen Schrei vereint

Stellen wir uns vor, die Hilferufe, die Schmerzensschreie aller, die durch die Schuld Anderer zu Tode kamen, würden sich zu einem einzigen lauten Schrei vereinen. 

Nicht nur unser kleines Trommelfell würde platzen, sondern von der Gewalt dieses einen Schreies würden Hochhäuser einstürzen, Flugzeuge vom Himmel fallen, riesige Wellenberge aufgeworfen und Erdbeben ausgelöst, ja, ich bin überzeugt, die Erdkugel würde zerbersten.

Denn die Gräueltaten, die Menschen an Menschen verübt haben und weiterhin Tag für Tag verüben, sind unvorstellbar, ihre Zahl ist unendlich. Die Menschheit als Ganzes hat damit eigentlich für alle Zeiten ihr ursprüngliches Lebensrecht verwirkt.

Und würde dieser eine unendliche Schrei aller, die auf dieser Welt durch Krieg, Gewalt und Verbrechen elendig zugrunde gegangen sind, Wirklichkeit, die Erde würde wieder zu dem, was sie einmal war: ein wüster, unbewohnter, menschenleerer Planet.

(Matthäus 27, 50-52)

„Und Jesus schrie abermals laut und verschied. Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben bis unten aus.
Und die Erde erbebte
und die Felsen zerrissen.“

 

Die immer wieder aktuelle Frage, die wohl ewig bleiben wird:
Wie kann der liebe Gott so was zulassen?
Warum hat Gott, wenn es ihn denn gibt, das nicht verhindert?
Warum gerade ich?

 „So was“, das sindein Verbrechenein Kriegeine Naturkatastropheeine schwere Krankheitein schwerer UnfallDenken wir doch einmal etwas gründlicher nach über die Möglichkeiten und die Grenzen, die Gott hat.

 A n  s i c h  ist Gott

·         allmächtig

·         Schöpfer des Himmels und der Erde

·         allwissend

·         unsterblich

·         allgegenwärtig, immer und überall gleichzeitig

·         alles sehend, alles wahrnehmend

·         allwissend, auch die Zukunft kennend

·         fehlerfrei

·         gerecht

·         nur Güte, nur Liebe (eben: der liebe Gott)

A b e r  Gott hat sich selbst, seinem Handeln, seinen Möglichkeiten Grenzen gesetzt:

·         die Naturgesetze (Ursache-Wirkung, Kausalitätsgesetz)

·         die Entscheidungsfreiheit (Entscheidungskompetenz) des Einzelmenschen (Kant: Die Freiheit der handelnden Person)

Die nimmer verstummende Frage: "Wie konnte Gott das zulassen?"

übersieht diesen Tatbestand.


Gott kann zwar an sich nur als allmächtig gedacht werden, ab er, der Schöpfer und Erhalter von Himmel, Erde und Menschheit, hat sich selbst für sein "Eingreifen" in die Vorgänge auf der Erde und innerhalb der Menschheit Grenzen gesetzt. Nur im Rahmen dieser "Spielregeln", "Rahmenbedingungen" will und kann Gott handeln.

T r o t z d e m

ist in dem Zusammenspiel, der Bezogenheit, der Verknüpfung von unendlich vielen Einzelelementen und Wirkkräften mehr möglich, als wir uns oft vorstellen können. In diesem gesetzten Rahmen sind der Kreativität Gottes keine Grenzen gesetzt.

Zum Beispiel: Der Zufall oder die Synchronizität. Zwei oder mehr Ereignisse, die kausal nicht mit einander verknüpft sind, deren je eigene Kausalketten absolut nichts mit einander zu tun haben, treffen zeitlich und örtlich zusammen und verursachen eine neue Situation, die so aus der Sicht der jeweiligen Kausalkette nicht vorhersehbar war, nun aber durch ihr Zusammentreffen ein neues Geschehen verursachen, das für die davon betroffenen Menschen sowohl Glück und Rettung wie auch Unglück und Untergang zur Folge haben kann. Wird dieses als gnädige Fügung Gottes bezeichnet – wie steht es dann im Falle eines unglücklichen Ausgangs?

A b e r  wiederum ist auch nicht so viel möglich, wie sich ein gläubiger Mensch manchmal erhofft  und ersehnt (Hauptmann von Kapernaum: "Sprich nur ein Wort, und mein Sohn ist gesund".).

Der Dreh- und Angelpunkt des Handelns Gottes in der Geschichte ist und bleibt der Mensch, das "Ebenbild Gottes".


Handle so, wie Gott handeln würde, wenn er Mensch wäre.

Durch das Medium des Heiligen Geistes kann Gott beeinflussen und gestalten..."in Gedanken, Worten und Werken."

Die Veränderung der Welt (der Verhältnisse auf dem Globus)
geschieht nicht, indem Gott (von oben entgegen den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit und der Kausalität) eingreift, sondern (nur) durch Menschen, in denen der Geist Gottes wirkt.

Der Mensch ist die zentrale Möglichkeit der Umsetzung des Gottesgedankens in der Gesellschaft auf der Erde in der Geschichte. Gott verwirklicht sich in Menschen.

(Nur) der Mensch setzt um, was Gott denkt.

1. Mose 1. Gott schuf den Menschen „zum Bild Gottes“, nicht „als Bild Gottes“. Dieser Satz beschreibt nicht einen Zustand, sondern eine Berufung. Der Mensch kann und soll Bild Gottes sein, indem er lebt – denkt – redet – sich verhält, wie Gott leben-denken-reden-sich verhalten würde, wenn er Mensch wäre.

Jedes neugeborene Kind ist eine neue Möglichkeit, dass ein Mensch so denkt,  wie Gott denken würde, wenn er Mensch wäre,dass ein Mensch so redet,  wie Gott reden würde, wenn er Mensch wäre,dass ein Mensch sich so verhält, wie Gott sich verhalten würde, wenn er Mensch wäre.

Wenn wir an dem Zustand der Menschheit, wie sie derzeit ist, leiden, leiden nicht nur wir, sondern auch Gott leidet, der will, daß sich alles zum Guten wende, auch Gott leidet an der Welt, weil und wenn sie so ist, wie sie nach dem Willen Gottes nicht sein sollte. Gott hat die Schöpfung, den Menschen zwar unter den oben beschriebenen Bedingungen geschaffen, aber doch mit dem Ziel, daß dennoch alle und alles erkennen möge, was zum Heil dient, und auch so handeln möge.

Denken wir aber ebenso gründlich nach
über die Möglichkeiten und die Grenzen,
die ein Mensch hat


Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll,
wenn ich Fürbitten vor Gott bringen will für Menschen, die an einer ernsten Krankheit leiden, die gefoltert werden, die hungern.

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll,
wenn ich Gott danken will für Gutes, das ich selbst erfahre und oft gedankenlos als selbstverständlich hinnehme.

Reden über leidende Menschen tun diejenigen, denen es gut geht.

Diejenigen, die wirklich leiden, verkörpern die Wirklichkeit;
in und an ihnen ereignet sich der Ernstfall, die Situation, der Augenblick der Wahrheit. 

Ihnen gegenüber ist Scheu, Anbetung, Ehrerbietung angebracht; denn sie sind Gott näher, ihnen widerfährt tatsächlich, wovon andere klug und fromm reden: Gottes gnädiges Handeln  an einem leidenden Menschen. Von ihnen geht daher Unheimlichkeit aus.

Wir möchten sie gesund beten. Gesundheit, das ist das, wonach instinktiv und ehrlicherweise alle streben. Aber wenn über einem Menschen das Wort gesprochen ist (lateinisch: fari Götter sprechen - fatum das von Göttern Gesprochene – der Götterspruch – das Schicksal), dann hat dieser Mensch eine andere, eine höhere Qualität. Er ist wahrhaftig Zeuge (Märtyrer) für das, was Leben eigentlich und wirklich ist.

Wenn wir etwas Wichtiges, Bedeutendes tun oder werden, dann nicht,
weil wir es "geschafft" haben, sondern weil Gott es so will. Wir sind, was
wir sind, weil Gott es so will und er uns braucht.

Nimm uns/mir die Einbildung, den Hochmut, gib uns/mir Bescheidenheit, ja Demut.

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!

Gott will, daß ihr ein Segen für seine Erde seid.

Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht,

der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

(Klaus Peter Hertzsch 1989, EKG Nr. 395 Str. 2)

 
Was Gott will, wer kann das wissen?

Wie will das ein Mensch wissen?

Wer hat zum ersten Mal gewußt, was Gott will?

Wer hat Gott zum ersten Mal geahnt? gedacht?

Und wie ist das geschehen?

Wann in seinem Leben weiß ein Mensch zum ersten Mal, was Gott will?

Vergiss nie, dass alles Gute in unserem Leben

nur als Geschenk der Güte Gottes zu begreifen ist,

auch wenn wir uns selbst mit höchstem Einsatz bemüht haben,

und auch wenn wir den bitteren Kelch des Leids trinken,

ohne zu verzweifeln.

Es hat keinen Sinn, hastig oder hektisch Ziele zu verfolgen.

Wenn Gott uns nicht die Zeit schenkt, können wir gar nichts tun.

Gelassenheit und Zuversicht sind Früchte des Glaubens.

 
Sag mir, warum nur, warum!?

Wir können nicht anders, als immer und überall danach zu fragen, ob das, was ist oder geschieht oder sich ereignet, einen Sinn hat oder haben könnte. Warum?

Der Grund-Satz:
Alles, was ist-geschieht-sich ereignet, hat einen Sinn, muß einen Sinn haben. Warum sollte es sonst überhaupt sein-geschehen-sich ereignen ?

Der Gegen-Satz:
Was auch immer sein-geschehen-sich ereignen mag, es hat keinen Sinn, weil es keinen Sinn gibt.

"Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?"
(Martin Heidegger)

Der Grund-Satz antwortet:
Weil Seiendes ist, gibt es auch einen Sinn dessen. Nicht nur in dem Sinne, daß jede einzelne Erscheinung direkte Ursachen, Voraussetzungen hat, die zu ihrem Werden, Entstehen, Hervortreten geführt haben, sondern auch in dem Sinne, daß allen Einzelerscheinungen in ihrer Gesamtheit ein Sinn zugrunde liegt, ein Sinn innewohnt.

Das Problem besteht nicht darin, ob alles, was ist-geschieht-sich ereignet, einen Sinn hat, sondern darin,
a) wie dieser Sinn entschlüsselt, enträtselt, erkannt werden kann, und
b) wie die Menschen, insbesondere wenn sie die von einem Geschehen Betroffenen sind, von diesem Sinn, wenn er denn entschlüsselbar, erkennbar sein sollte, überzeugt werden können.

Der christliche Glaube
und die auf ihm gründende christliche Kulturtradition geht von der Grundüberzeugung ("Axiom") aus, daß dieser Sinn a priori und letztendlich "gut" ist.

"Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut."(1. Mose 1, 31) "Brüder, überm Sternenzelt muß ein gütger Vater wohnen." (Friedrich Schiller, Ode an die Freude)

"Also hat Gott die Welt geliebt, daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Johannes-Evangelium 3, 16)

Die radikale Alternative behauptet, daß alles zufällig, willkürlich, chaotisch, sinn-los ist.

Alles, was ist, geschieht, vollzieht sich, ereignet sich.  "Alles fließt" (panta rei) (Heraklit). Alles und jedes ist in unaufhaltsamer Bewegung, wird von einer unendlichen Energie bewegt und in Bewegung gehalten.

Die Frage:
Wird dieser Fluß der Dinge von irgendwo her beeinflußt, gesteuert? Und wenn ja, nach welchen Kriterien ("Entscheidungen")  vollzieht sich dieser Steuerungsmechanismus?

Ist dieses Steuerungs-Zentrum "irgendwo", irgendwie in seinen Entscheidungen beeinflußbar?

Spielt der Mensch als Gattung (die Menschheit) in diesem Ordnungssystem eine Rolle?

Spielt der Einzelmensch (das Individuum und sein Verhalten) in diesem Gesamtgeschehen eine Rolle?

Selbst wenn oder gerade wenn diese Frage mit "Ja" beantwortet wird, beginnt erst das neue Problem.

Wie gewinne ich Zugang zu diesem Schlüssel?

Wie verhalte ich mich im Sinne dieses entschlüsselten Steuerungsmechanismus "richtig" und wie "falsch"?

Gibt es für mich die Chance, mein Verhalten, wenn es geschehen ist und offensichtlich falsch war, zu korrigieren, oder gilt das Prinzip des "ein für alle Mal"?

Ist der Einfluß meines Verhaltens auf den Gang der Dinge eine Möglichkeit (Ermessensspielraum) oder eine Notwendigkeit?

Der christliche Grund-Satz:
Alles, was ist, auch der Mensch, ausgenommen nur das Verhalten des/der Menschen, gründet sich auf einem Wort Gottes.

"Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. (Gen. 1,1)  Und Gott sprach: Es werde...! Und es ward… Und Gott sprach:...  Und es geschah also. (Gen. 1,3 ff)

"Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und  Gott war das Wort.  Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. (Joh.-Ev. 1,1-3)

Der Mensch als das "Bild Gottes", und nur er, ist in der Lage / dazu berufen, dieses Wort in der Schöpfung zu erkennen.

"Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer…   Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn. (Gen. 1,26.27)

Thomas von Aquin bezeichnet alles, was ist, (alles Wirkliche) als "Gedanken Gottes".  Und nicht nur das Wirkliche, sondern auch das Mögliche, also alles, was in Zukunft möglich ist, ist immer zuerst (auch) schon ein Gedanke Gottes. Der Mensch kann nur in den Grenzen und Spielregeln des Möglichen (der Gedanken Gottes) forschen, finden, erfinden. (Frage: Gibt es Verbote bezüglich möglicher, entschlüsselbarer, realisierbarer Gedanken Gottes?)

Das Schöpfungs-Geschehen ist die erste Sprache.

Das Jesus-Geschehen ist die zweite Sprache.

"Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Joh.-Ev. 1,14)
Das Jesus-Geschehen ist der Schlüssel zum Erkennen des Menschen als "ich" und "wir", also seines individuellen, nicht schöpfungsgesteuerten, also freien Lebensvollzuges / Verhaltens.

"Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden. (Joh.-Ev. 1,12-13)

Nicht nur alles, was außerhalb des Menschen ist, geschieht, sich ereignet, ist eine Sprache Gottes, die es zu entschlüsseln gilt, sondern auch alles, was innerhalb des Menschen, im Zusammenhang mit Menschen, ausgehend von Menschen geschieht, sich ereignet, ist grundsätzlich bezüglich seines "Sinnes" entschlüsselbar.

Allerdings kann hier nicht für alles der Satz gelten "Und Gott sah, daß es gut war"; denn hier ist der Wider-Spruch von Seiten des Menschen, der Gegen-Sinn, der von ihm ausgeht, von vornherein / a priori integrierter, seinsimmanenter Bestandteil des Geschehens selbst.

Und der Tod? Löscht er nicht all unser ehrliches Bemühen aus? 

Der Tod: danach ist nichts mehr so wie vorher.

Der Tod ist das große, letzte, endgültige Nein gegen den Willen des Einzelnen weiterzuleben, gegen die dem Leben innewohnende Ausrichtung auf Dauer.

Eigentlich dürfte es, vom Leben her gesehen, den Tod nicht geben (und manche leben so, als ob es ihn nicht gäbe); aber es gibt ihn (und also betreiben jene eine Selbsttäuschung, die so tun, als ob nicht).

Der Tod wird daher (psychologisch zu Recht) als Fluch und Strafe ("der Sünde Sold") empfunden, aber eine Logik, bezogen auf die Lebensweise des Betroffenen, eine Kausalität vom Lebensvollzug her, hat der Tod nicht oder doch nur in seltenen Fällen, und auch dann kann es sich nur um leichtfertige Schlußfolgerungen Unbeteiligter / Unzuständiger handeln.

Vom Glauben an Gott her eröffnet sich entgegen allem Anschein die Möglichkeit, den Tod (auch gerade den frühen, den unfaßbaren) als zu dem jeweiligen Leben dazugehörig zu verstehen. Das Leben und der Tod machen zusammen als Ganzes einen Sinn, auch wenn dieser Sinn im Leben / vor dem Tode  nicht / noch nicht erkennbar ist. Wenn ich an Gott glaube, glaube ich daran, daß Gott jedem Menschen offenbaren wird, daß auch sein Tod "gut" war, sinnvoller Teil seines insgesamt unverwechselbaren und eigenständigen Lebens gewesen ist. Ich kann  jetzt, wenn Gott es mir offenbart, ja sagen auch zu meinem Tod, ohne Bitterkeit. "Und es fiel ihnen wie Schuppen von den Augen, und sie erkannten ..".                                                                                                      

Daher ist der Tod weder ein Nichts noch eine Nichtung ("Jetzt ist alles, was war, nicht mehr / nichts mehr."). Dem Tod wird aber durch den Glauben seine Macht genommen, ein Fluch, eine Strafe oder eine Sinnlosigkeit zu sein.

So ist es wohl auch bei Paul Gerhardt (EKG 230, 15.17.18) gemeint:

"Was kränkst du dich in deinem Sinn und grämst dich Tag und Nacht? Nimm deine Sorg und wirf sie hin auf den, der dich gemacht.

Gott hat noch niemals was versehn in seinem Regiment,

nein, was er tut und läßt geschehn, das nimmt ein gutes End.

Ei nun so laß ihn ferner tun und red ihm nicht darein,

so wirst du hier im Frieden ruhn und ewig fröhlich sein."

Steve Jobs 2005 vor Studenten der Stanford University:
„Niemand will sterben. Nicht mal Menschen, die in den Himmel kommen wollen, wollen sterben, um dorthin zu gelangen. Und dennoch ist der Tod das Schicksal, das wir alle teilen. Niemand ist jemals entkommen. Und das ist so, wie es sein sollte, denn der Tod ist höchstwahrscheinlich die beste Erfindung des Lebens. Er ist der Vertreter des Lebens für die Veränderung. Er räumt das Alte weg, um Platz zu machen für das Neue. Gerade jetzt seid das Neue ihr, aber eines Tages, nicht sehr viel später, werdet ihr langsam zum Alten gehören und weggeräumt werden. Tut mir Leid, dass ich so dramatisch bin. Aber es ist die Wahrheit.

Deine Zeit ist begrenzt, also verbrauche sie nicht, um das Leben anderer zu leben. Sei nicht gefangen von dem Dogma – welches sagt, dass Du mit den Resultaten der Gedanken anderer Leute leben musst. Lass nicht den Krach anderer Meinungen die eigene innere Stimme zum verstummen bringen. Und das Allerwichtigste, habe den Mut, Deinem eigenen Herzen und der Intuition zu folgen. Die wissen irgendwie schon genau, was du wirklich sein willst. Alles andere ist zweitrangig.“

G o t t  -  E r d e  -  M e n s c h h e i t .
Denkmodelle in der Bibel.

These:

Angesichts der unendlichen Zahl nicht mehr steigerungsfähiger Gräueltaten, welche Menschen an Menschen vollzogen, verbrochen, verschuldet haben, hat die Menschheit als Ganzes für alle Zeiten ihr ursprüngliches Lebensrecht (die Lebenszusage durch den Schöpfer) verwirkt.

Dieser Satz beinhaltet  n i c h t

- die totale Verzweiflung (Selbstmordgedanken),

- Ankündigung eines Katastrophenszenarios (Selbstausrottung der

  Menschheit durch Atomkrieg oder Umweltkatastrophen als

  unausweichliche Strafe Gottes),

- das Recht anderer, sich als Richter oder als Propheten des

  Untergangs aufzuspielen,

s o n d e r n  verbietet

- jede Form der Selbstgerechtigkeit, welche die Grundrechte z.B.

  das  Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit versteht als

  einen objektiven persönlichen Anspruch des Einzelnen an

  "das Leben" oder "das Ganze" oder "den Schöpfer",

- jede pharisäische Frage: Wie konnte Gott so etwas zulassen?

  (so als würde Gott ein Unrecht an uns tun, wenn etwas Schlimmes

  in der Welt passiert, weil wir ein Recht darauf hätten, daß

  uns alles zum Besten dient).

Luk 13,1-5: Es kamen aber einige, die berichteten ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meint Ihr, daß diese Galiläer mehr gesündigt haben als alle anderen Galiläer, weil sie das erlitten haben? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht umdenkt (metanoein=umdenken), werdet ihr alle auch so umkommen. Oder meint ihr, daß die Achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und erschlug, schuldiger gewesen sind als alle anderen Menschen, die in Jerusalem wohnen?


Denkmodelle des Verhältnisses Gott - Menschheit - Erde

(I) Die reine Idee:

Alles ist sehr gut. Die Erde ist ein Garten Eden.

Variante a) 1. Mose 1

Die gesamte wahrnehmbare Welt ("Himmel und Erde") gehen auf das/ein Wort Gottes zurück: "Und Gott sprach: Es werde... Und es geschah also." Der Schöpfung wohnt ein Wort, also ein wahrnehmbarer Sinn inne.

Der Mensch ist "Bild Gottes". Kann doch hier nur heißen: Der Mensch allein ist in der Lage/dazu berufen, dieses Wort in der Schöpfung wahrzunehmen, zu verstehen. Insofern ist er eine Entsprechung Gottes, sein Repräsentant innerhalb der Welt des Geschaffenen, aber eben nur Bild, nicht Gott selbst. Wie Gott, aber geschaffen. Der Mensch kann, so wie er ist, nur von Gott her verstanden werden.

"Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte. Und siehe: Es war sehr gut." Aus der Sicht Gottes ist alles sehr gut. Alles ist gut, wenn es mit den Augen Gottes gesehen wird.

Variante b) 1. Mose 2

"Da machte Gott den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. So ward der Mensch ein lebendiges Wesen." Der Mensch ist Erde. Sein Leben, seine Lebendigkeit ist nicht seine eigene Qualität, sondern Handeln Gottes. Ohne Gott ist er nichts als Erde, Asche, Staub.

"Und Gott pflanzte einen Garten Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte."

"Und Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaute und bewahrte."

Die Erde ist ein Garten Eden, für den Menschen geschaffen, der ihn bebauen und bewahren soll.

(II) Der Mensch als  "Bild Gottes"

Die Hände des Geigers beim Konzert im Atelier Sprotte in Kampen im

Oktober 1994 haben mich spontan an den Satz vom Menschen als Bild Gottes denken lassen. Das Unverwechselbare des Menschen sind seine Hände. Nur er kann "machen", schaffen. Gott macht mit seinem Wort, der Mensch mit seinen Händen. Beide sind genial, kreativ, Schöpfer, Schaffer, Macher. Gott spricht: Es werde .. und es wurde. Es wachse .. und es geschah also. Am Anfang des Schaffens steht das Wort. So auch beim Menschen. Zuerst ist das Wort, dann die Tat.

Ein weiterer Sinn: Bild gleich Spiegelbild. Gott spricht, der Mensch hört, versteht, begreift. Der Mensch versteht, begreift das "Daß" und das "Wie" des Werdens und Geschehens. Und in diesem Sinne ist es seine Bestimmung, zu herrschen über .. . Nur weil er versteht, erkennt, begreift, kann er, soll er herrschen, bestimmen, verfügen. 

Freilich wird ihm deutlich gesagt, was ihn als "Bild" von Gott unterscheidet: "Seid fruchtbar und mehret Euch." Der Mensch ist nicht einmalig, er ist mehrmalig. Er ist außerdem nicht ganz, sondern gespalten, als Mann und als Frau. Der Mensch ist wie Gott, nicht Gott selbst. Seine Versuchung besteht darin, selbst Gott sein zu wollen, nicht Bild, sondern eigenes Wesen. Der Mensch darf niemals seine Geschöpflichkeit, sein Abgeleitetsein, sein Bezogensein vergessen. Der Mensch ist nie einmalig, ewig, immer derselbe, ganz, sondern mehrmalig, zeitlich, immer in neuer Form, gespalten, daher immer sich wandelnd.

(III) Vertreibung aus dem Paradies: "Jenseits von Eden"

1. Mose 3,23a + 24: "Da wies ihn Gott aus dem Garten Eden. Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert."

Vertreibung ohne Rückkehrmöglichkeit!

Seither bleibt "das Paradies" in der Form der wehmütigen Rückerinnerung oder als Zukunftsvision oder als angeborene Utopie Bestandteil des menschlichen Bewußtseins!
 
1. Mose 3,23b + 17b + 19b: "..daß er die Erde bebaute, von der er genommen war.  Verflucht sei der Acker um deinetwillen! Du bist Erde und sollst zu Erde werden."

Die Erde ist nicht Garten Eden, sondern nur noch Erde. Und der Mensch "ist Erde" (nicht Garten Eden!). Und diese "nur Erde" ist zudem "verflucht um des Menschen willen".

Die Erde, die von Gott als Garten Eden entworfen wurde, ist Opfer des verkehrten Selbstverständnisses des Menschen ("Ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist").

Gegenteil: Gesegnet ist (die Erde) ...

Assoziation: Die Seligpreisungen der Bergpredigt.

(IV) Kain: Der Mensch auf der Flucht

1. Mose 3,14 "Ich muß mich vor Deinem Angesicht verbergen".

(vgl. 3,8 Und Adam versteckte sich vor dem Angesicht Gottes unter den Bäumen im Garten.)

Der Mensch ist auf der Flucht vor Gott.

Die Folge: Die Angst. ("So wird mir's gehen, daß mich totschlägt, wer mich findet.")

Seine Existenzweise: "unstet und flüchtig".

(V) Vernichtung allen Lebens ("alles, was Odem hat")

a) Die Sintflut: 1. Mose 6,7: "Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis zum Vieh und bis zum Gewürm und bis zu den Vögeln unter dem Himmel; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe."

7,17 Und die Sintflut war vierzig Tage auf Erden...

7,22 Alles, was Odem des Lebens hatte auf dem Trockenen, das starb.

b) Sodom und Gomorra: 1. Mose 19,24-25: "Da ließ der Herr Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorra und vernichtete die Städte und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte und was auf dem Lande gewachsen war."

c) Die Weh-Rufe über Jerusalem: Luk 13,34/35, Mt 23,37-39, Luk 19,41-44: Siehe, euer Haus soll euch wüst gelassen werden (Jeremia 22,5). Es wird eine Zeit kommen, da werden deine Feinde ....dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen.

(VI) Erneuerung der Lebenszusage wegen eines einzigen Gerechten

1. Mose 8,21a + 22:"Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um des Menschen willen. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." Der Grund: Ein einziger Gerechter.

Noah: 6,8-9: "Aber Noah fand Gnade vor dem Herrn. Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten; er wandelte mit Gott."

Abraham: 18,23:"Willst Du denn den Gerechten mit dem Gottlosen

umbringen? Es könnten vielleicht fünfzig Gerechte in der Stadt sein. Wolltest Du die umbringen und dem Ort nicht vergeben um fünfzig Gerechter willen, die darin wären?" Antwort Gottes: "Finde ich..., so will ich dem ganzen Ort vergeben." Abraham: vielleicht vierzig...vielleicht zehn.

Es findet sich nicht ein einziger. Sodom wird zerstört.

(VII) Besserung durch Gebote und Strafen

a) Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Beule um Beule, Wunde um Wunde (2. Mose 21,24-25).

b) Die Zehn Gebote: 2. Mose 20, 5. Mose 5.

Du sollst nicht....

Gebote 1-5: Verhältnis Mensch zu Gott

Gebote 6-10: Verhältnis Mensch-Mensch

"Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott von Dir fordert."(.....?)

Die Strafe: 20,5 "Ich werde die Missetat der Väter heimsuchen an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied."

Vergehen werden gesühnt.

Die Verheißung: "Ich werde Barmherzigkeit erweisen an vielen Tausenden, die meine Gebote halten."

Es lohnt sich, die Gebote zu halten.

(VIII) Die Bergpredigt: Leiden statt Strafen

Mat.5,38-39: "Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar."

Die (durch ein Vergehen/Verbrechen verletzte) Ordnung ("das Heil") wird wiederhergestellt, indem/dadurch, daß das Opfer/der Leidende diejenige Strafe, die der Täter erleiden müßte, selbst zu erleiden bereit ist oder eben selbst erleidet. Das Heil wird so durch Leiden, nicht durch Strafen wiederhergestellt.

In diesem Sinne gehört auch die Bergpredigt hierher.

Mat. 5,17:"Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, das Gesetz und die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen".

(IX) Oh, wenn du doch erkenntest, was zum Heil dient!

"Und als Jesus nahe hinzukam, sah er die Stadt (Jerusalem) und weinte über sie und sprach: Wenn doch auch du erkenntest zu dieser Zeit, was zu deinem Heil (Frieden, Schalom) dient! (Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen.) Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden .... , weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden bist." (Luk 19,41-44)

Vergl. Luk 13,34/35 und Mt 23,37-39 (Jerusalem, Jerusalem, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt!)

Parallelen aus dem AT suchen. (........................)

Gott weint und klagt: Oh Mensch, wenn du doch...

(X) Der gottverlassene Mensch

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. (Psalm 22,2)

Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? das heißt: Mein, Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Mt 27,46)

Was die einen verzweifelt beklagen, das ist den anderen Grund zu Triumphrufen.

1. Mose 3,5: Da sprach die Schlange: An dem Tage werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

Mt 27,39-44: Die aber vorübergingen, lästerten ihn und sprachen: Hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz. Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten. Desgleichen schmähten ihn auch die Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt waren.

Ludwig Feuerbach: Der notwendige Wendepunkt der Geschichte ist das offene Bekenntnis und Eingeständnis,....daß der Mensch kein anderes Wesen als absolutes, als göttliches Wesen denken, ahnen, vorstellen, fühlen, glauben, wollen, lieben und verehren kann als das menschliche Wesen.

Friedrich Nietzsche: Wir haben Gott getötet - ihr und ich! Wir sind seine Mörder! Es gab nie eine größere Tat - und wer nur immer nach uns geboren wird, gehört um dieser Tat willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!

Jean-Paul Sartre: In der Tat, alles ist erlaubt, wenn Gott nicht existiert, und demzufolge ist der Mensch verlassen, da er weder in sich noch außerhalb seiner eine Möglichkeit findet, sich anzuklammern.

Jesus durchleidet am Kreuz die totale Gottverlassenheit, die von vielen Menschen für sich als Befreiung proklamiert und gefeiert wird.

(XI) Jesus, der Gekreuzigte: Sühne und Versöhnung

a) Die Sühne: einer sühnt für alle, ein für alle Mal.

Jesus, gekreuzigt/am Kreuz gestorben, erleidet, was die Menschen als Gesamtheit/ jeder Einzelne zu erleiden verdient gehabt hätte, den Tod als "der Sünde Sold".

Römer 6,23: Der Sünde Sold ist der Tod; Gottes Gabe aber ist ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn."

Paul Gerhardt: EKG 64, 4-6

Ich, ich und meine Sünden, die sich wie Körnlein finden des Sandes an dem Meer: die haben dir erreget das Elend, das dich schläget, und das betrübte Marterheer.

Ich bin's, ich sollte büßen an Händen und an Füßen gebunden in  der Höll. Die Geißeln und die Banden und was du ausgestanden, das hat verdienet meine Seel.

Du nimmst auf deinen Rücken die Lasten, die mich drücken viel schwerer als ein Stein. Du wirst ein Fluch, dagegen verehrst du mir den Segen, dein Schmerzen muß mein Labsal sein.

Paul Gerhardt: EKG 63,4 (O Haupt voll Blut und Wunden)

Nun, was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last. Ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast.

Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir. Wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür. Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.

Bibelstellen:

1. Kor. 15,3 "Christus gestorben für unsere Sünden"

Jesaja 53,4-5 "Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden (Schalom,Heil,Segen) hätten."

Römer 3,24 "Wir werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist."

Johannes 3,16 "Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben."

Das Agnus Dei der mittelalterlichen Liturgie ( deutsch Martin Luther 1528):

"Christe, Du Lamm Gottes, der Du trägst die Sünde der Welt, erbarme Dich unser.  ... , gib uns Deinen Frieden."

b) Die Versöhnung mit Gott.

Dadurch, daß er die Strafe der Kreuzigung erlitten hat/auf sich nahm (Psalm 22, gebetet am Kreuz: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Jesus durchleidet die totale Gottverlassenheit, die von vielen Menschen für sich als Befreiung proklamiert und gefeiert wird.), hat Jesus die Welt mit Gott versöhnt. Jetzt kann die Menschheit Gott wieder loben und danken, denn die Ur-Schuld ist jetzt ein für alle Mal gesühnt. Jesus, der "Menschensohn", ist der eine Gerechte, der als wahrhaftiges "Bild Gottes" das wahre Menschsein Gott gegenüber repräsentiert.

2. Kor. 5,19 "Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung".

1. Joh. 2,2 "Und er ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt."

c) Botschafter können Menschen sein, nicht Jünger: Laßt Euch versöhnen mit Gott.

2. Kor. 5,20 "So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns: Laßt Euch versöhnen mit Gott."

Luk 14,26-27.33 Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein. (Umschreibung einer totalen Verlassenheit!)

Mt 26,36-46: Jesus in Gethsemane: Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Könnt Ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Ach, wollt Ihr weiter schlafen und ruhen?

d) Demut, Nüchternheit, Wachsamkeit.

1. Petr. 5,5b-6.8:Alle miteinander haltet fest an der Demut. Denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt Euch nun unter die gewaltige Hand Gottes. Seid nüchtern und wacht, denn Euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe.

(XII) Das (alle Völker umfassende) Volk Gottes.

Nicht: Das eine Volk Gottes neben den vielen anderen Völkern.

Das Alte Testament versteht den Begriff "Volk Gottes" (auch) ethnisch. Zwar wird die Volk-Gottes-Qualität des Volkes Israel nicht biologisch-ethnologisch hergeleitet, sondern auf die Berufung zum Volk Gottes durch die souveräne (Jahwe = ich bin, der ich bin) Entscheidung Gottes des Schöpfers zurückgeführt, aber dieser Gott ist der Gott Abrahams, Isaacs, Jakobs, der mit den zwölf Stämmen des Volkes Israel einen Bund geschlossen hat (die zehn Gebote als Bundesverfassung), an den er so lange gebunden ist, wie dieses Volk die Verfassung hält.

5. Mose 26,5-11: Ein umherirrender (=nomadisierender) Aramäer war mein Vater... (Urform des israelitischen Glaubensbekenntnisses).

5. Mose 7, 1-11! Verbot der ethnischen Vermischung!

5. Mose 9, 1-6: Gott hat das Volk Israel nicht "um seiner Gerechtigkeit willen" berufen.

5. Mose 10,10 - 11,7: Ich aber stand auf dem Berge wie das erste Mal, vierzig Tage und vierzig Nächte, und der Herr erhörte mich.

Das neue Testament:

Mat 5,1 ff verkündet die Rechtsordnung, die im Reich Gottes gilt.

Mat 8: Der Hauptmann von Kapernaum. "Ich sage Euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham, Isaac und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen."

Mat 28,18-20: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohne und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.

Gal 3,26-28: Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn Ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

1.Kor 12,12-26 (grundlegender Text! Ein Leib und viele Glieder.):

Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.

Eph 2,11-22: Ihr wart einst ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels. Jetzt aber in Christus seid Ihr, die Ihr einst Ferne wart, Nahe geworden durch das Blut Christi. Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft.

Wahrlich sehr tiefgründige und zugleich höchst aktuelle Denkstrukturen im Blick auf das Thema: das Europäische Staatsvolk und die vielen Völker in Europa!

"Durch das Blut Christi" wurde "der Zaun abgebrochen, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft": Die Leidenserfahrungen Europas (Weltkriege, Französiche Revolution, der Holocaust, Coventry und Dresden), das Blut der Märtyrer Europas als Durchbrechung des Zauns der Feindschaft zwischen den Völkern, das ist ein kühner Gedanke, unter dem die Geschichte Europas neu geschrieben werden könnte/müßte.                            

(Tertullian: Das Blut der Märtyrer ist der Same der Christenheit./

Gerhard Hauptmann: "Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang von Dresden.")

Back to the roots! Eine Wurzel Europas: das Lebenswerk des Paulus.       Biblische Denkstrukturen sollten für das Selbstverständnis Europas durchaus konstitutionelle Relevanz besitzen!

(XIII) Die Vollendung der reinen Idee:

Ein neuer Himmel, eine neue Erde, ein wahres Volk Gottes

Off 21,1-5:

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem.

Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen.

Und er wird bei ihnen wohnen,

und sie werden sein Volk sein

und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein.

Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,

und der Tod wird nicht mehr sein,

noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.

Siehe, ich mache alles neu.

Eine Hypothese als Schlüssel zum Verständnis der Wirklichkeit

Diese Lernprozesse, die Gott, der Schöpfer, mit der Menschheit, die in ihm ihren letzten und eigentlichen Ursprung hat, durchleidet, diese daraus resultierenden Denkmodelle Gottes über seine "Einstellung" zu Erde und Menschheit vollziehen sich auf heilsgeschichtlicher, kosmischer Ebene nacheinander wie Denkprozesse sich vollziehen.

Wie tektonische Schichten im Erdinneren schieben sie sich übereinander, bis sich die kosmische Spannung in einem Erdbeben entlädt. In der Wirklichkeit ebenso wie im Bewußtsein eines denkenden Bibellesers.

Diese Epochen, die sich auf heilsgeschichtlich-kosmischer Ebene nacheinander vollzogen haben, ereignen / aktualisieren sich in der Geschichte der Menschheit und im Leben jedes Einzelnen (und zwar in jeder Gegenwart neu) gleichzeitig, parallel, nebeneinander, sich überschneidend. Das ist der Grund dafür, weshalb die jeweils aktuelle Wirklichkeit, der sich die Menschheit und jeder Einzelne ausgesetzt sieht, so verwirrend und widersprüchlich erscheint. (Wie konnte Gott so was zulassen?)

Die reine Idee, Kains Brudermord, die Sintflut, Sodom und Gomorra,
Versöhnung und Vergebung durch Jesus Christus, die Verheißung der Vollendung der reinen Idee: all das überschneidet sich in der menschlichen Erfahrung und im menschlichen Bewußtsein und führt zu den bekannten Irritationen, Frustrationen, Aporien, Depressionen, Kurzschlußreaktionen.

Diesen kosmischen Phasen entsprechen auch Bewußtseinsstrukturen des Menschen: Sehnsucht des Verbannten nach dem Paradies, das Fluchtsydrom des Kain, die Todesangst als Sintflutkomplex, der Noah-Komplex: "Ich bin nicht schuld daran", der Optimismus/Idealismus, es mit Geboten und Strafen schaffen zu können (die Trendwende herbeiführen zu können), der Kreuzkomplex (die Freude am Leiden) als evangelisches Grundgefühl, die Utopie als Ausweg, die totale Verzweiflung des Einzelnen ("der Mensch ist verurteilt, frei zu sein", J.P. Sartre) und der Nihilismus als Ideologie.