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M e i n   G l a u b e n s b e k e n n t n i s

Nachgefragt. Nachgedacht. Geglaubt.

Zwanzig Bausteine meines Glaubens.

Zugleich eine Einladung an Andere,

ebenfalls zu fragen, zu denken und zu glauben.

Von Albert Eggers.

Baustein 1

Ausgesetzt, ja, ausgeliefert

dem Leben und seinen Gesetzmäßigkeiten,

aber ausgestattet mit der angeborenen Fähigkeit,

frei zu denken, zu entscheiden, zu handeln,

daher selbst verantwortlich für alles, was ich denke und tue:

Das bin ich. Das ist der Mensch.

 

Wenn ich an Gott glaube, heißt das:

Gott mutet mir dieses Leben, mein Leben zu,

wenn und wie es begonnen hat.

Ich hatte keine Wahl, bevor ich gezeugt und geboren wurde,

ob und wann und wo und wie und mit welchen Genen ich geboren werde.

Und ich habe jetzt, nachdem ich geboren bin, keine andere Wahl, als mein Leben so, wie es eben ist, anzunehmen und zu leben.

Leben ist, wenn es begonnen hat, unausweichlich.

 

Zugegeben, Leben kann wunderbar sein.

Aber Leben ist immer auch eine Zumutung.

„Wir sind ins Dasein geworfen.“ So hat es der Atheist Jean Paul Sartre formuliert. Wer glaubt, muss einräumen und erkennen: Gott als Schöpfer mutet mir mein Leben zu.

 

Jeder Mensch erfindet das Leben neu und macht „das Leben“ zu seinem Leben, indem er Tag für Tag die Herausforderungen auf seine Weise meistert, irgendwie auch im Alltag immer zugleich auf der Suche nach Glück, Freude, Sinn und Erfolg.

 

Wenn aber die Anforderungen der unzähligen Alltage ihn zu erdrücken drohen, wenn mehr von ihm verlangt und erwartet wird, als er leisten kann,

woher kommt ihm dann Hilfe?

Ein Leben mit all den möglichen Unwägbarkeiten und Bedrohungen:

Krankheiten, Unfälle, begrenzte persönliche Fähigkeiten und fehlende Kraft und Ausdauer angesichts hoher und unerbittlicher Forderungen, die Gemeinheiten von Mitmenschen:

Wie soll ein Mensch all diese Herausforderungen bestehen, denen er ausgesetzt ist? Und wenn ihm unterwegs die nötige Kraft und Ausdauer dafür fehlt, woher kann ihm Zuversicht und Hilfe kommen?


Baustein 2

Kein anderer biblischer Text beschreibt so radikal das Ausgeliefertsein eines Menschen an die Gesetzmäßigkeit des Lebens, wenn nur noch das verzweifelte Rufen nach Hilfe bleibt, als der 22. Psalm. Und eben diesen Text hat Jesus am Kreuz laut gebetet.

 

Psalm 22. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist fern. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch du antwortest nicht, und des Nachts, doch ich finde keine Ruhe. Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. Du hast mich aus meiner Mutter Leib gezogen; du ließest mich geboren sein an der Brust meiner Mutter. Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an, du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an. Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.“

Eben diesen Psalm hat Jesus am Kreuz gebetet.

„Um die neunte Stunde schrie Jesus laut: „Eli, Eli, lama absantani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Einige aber, die da standen, als sie das hörten, sprachen sie: Der ruft nach Elia. Und sogleich lief einer von ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. Die andern aber sprachen: Halt, lass sehen, ob Elia komme und ihm helfe! Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.“

 

Kein anderer biblischer Text beschreibt so radikal das Ausgeliefertsein eines Menschen an die Gesetzmäßigkeit des Lebens, wenn nur noch das verzweifelte Rufen nach Hilfe bleibt, als dieser 22. Psalm. Und eben diesen Psalm hat Jesus am Kreuz laut gebetet, als er die Ausweglosigkeit seiner Existenz erkannte und ertrug.

 

Andere Bibeltexte sind optimistischer.Psalm 121. „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.“  (Psalm 50,15)  Das ist kein Gebot, das ist ein Angebot. Wenn wir nicht mehr weiter wissen, sollen wir Gott anrufen. Ja, wir haben das moralische Recht, Gott den Schöpfer anzurufen in unserer Not, und Gott hat die moralische Pflicht, uns zu helfen, wenn wir ihn anrufen. „Kommt her zu mir alle, die Ihr mühselig und beladen seid, ich will Euch erquicken.“ (Matthäus 11,28)„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (Paulus, 2. Korinther 12,9)

 

 Jesus am Kreuz aber hat den 22. Psalm gebetet!  

 
Baustein 3

Stellen wir uns vor,

die Hilferufe und Schmerzensschreie aller Menschen, die durch die Schuld Anderer zu Tode kamen,

die Hilferufe und Schmerzensschreie aller Menschen, die seit Jahrtausenden durch Krankheiten oder Unfälle unbeschreiblichen Leiden und Schmerzen ausgesetzt sind,

würden sich zu einem einzigen lauten Schrei vereinen. Nicht nur unser kleines Trommelfell würde platzen, sondern von der Gewalt dieses einen Schreies würden Hochhäuser einstürzen, Flugzeuge vom Himmel fallen, riesige Wellenberge aufgeworfen und Erdbeben ausgelöst, ja, ich bin überzeugt, die Erdkugel würde zerbersten.

 

Denn die Gräueltaten, die Menschen an Menschen verübt haben und weiterhin Tag für Tag verüben, sind unvorstellbar, ihre Zahl ist unendlich. Die Menschheit als Ganzes hat damit eigentlich für alle Zeiten ihr ursprüngliches Lebensrecht verwirkt.

Und würde dieser eine unendliche Schrei aller, die auf dieser Welt durch Krieg, Gewalt und Verbrechen elendig zugrunde gegangen sind, Wirklichkeit, die Erde würde wieder zu dem, was sie einmal war: ein wüster, unbewohnter, menschenleerer Planet.

„Und die Erde war wüst und leer. Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“

Aber das Gleiche gilt auch für die Hilferufe und Schmerzensschreie aller Menschen, die seit Jahrtausenden durch Krankheiten oder Unfälle unbeschreiblichen Leiden und Schmerzen ausgesetzt sind.

 

 

Baustein 4

Wenn Leben so ist, wie es ist, was ergibt sich daraus für mein Verhalten gegenüber Mitmenschen, die mir nahe stehen,

wenn sie mit Herausforderungen, die ihnen zugemutet werden, hadern,

wenn sie Vieles „Scheiße“ finden, dem sie sich ausgesetzt sehen,

wenn sie nicht erfolgreich sind, sondern vielleicht sogar an Aufgaben, denen sie ausgesetzt sind, scheitern,

wenn ihr Leben anders verläuft, als sie es planen oder sich gewünscht haben?

 

Für das Zusammenleben der Menschen erwächst daraus der Grundsatz
der Gleichheit, der Brüderlichkeit und der gegenseitigen Solidarität.  

 

Ich habe die Pflicht, mich zu bemühen,

>> sie zu verstehen,

>> ihnen immer wieder glaubwürdig und beharrlich verständlich zu machen, dass Leben nun einmal so ist und dass es Sinn macht, das Leben so, wie es nun einmal ist, anzunehmen,

>> manchmal lieber zu schweigen als mit vielen Worten Hilfen, Weisungen und am Ende auch Drohungen auszusprechen,

>> manchmal, ohne es ihnen zu sagen, eher für sie zu weinen und zu beten als sie zu verurteilen oder zu bevormunden,

>> dennoch niemals das Ziel und die Pflicht aufzugeben, ihnen Schritt für

Schritt Wege anzubieten und mit ihnen zu gehen, auf denen sie langfristig

erfolgreich, glücklich und zufrieden leben können.

 

Paulus Römer 12,15: „Seid fröhlich mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.“

 

 

Baustein 5

Es darf, ja, es muss die Frage erlaubt sein:

Warum? Warum unendlich oft, milliardenfach immer wieder diese Zumutung?

Warum ist die Erde kein Paradies?

„Leben? Nein Danke!“ Auch das ist nachvollziehbar.

 

Sind wir vielleicht Hoffnungsträger eines enttäuschten und frustrierten Schöpfers?

Weil er die Welt nicht als Paradies geschaffen hat, nicht als Paradies schaffen konnte? Weil er den Fehler machte, Wesen zu entwerfen und ins Dasein treten zu lassen, denen ein für alle Mal und unwiderruflich ein eigener Wille, eine eigene Entscheidungsfreiheit eingepflanzt ist?

 

Eine Spur dieser ursprünglichen Schöpfungsidee ist die in jedem Menschen vorhandene Ahnung, dass Paradies sein könnte und wie Paradies sein könnte.

 

„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen. …Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“

( Offenbarung des Johannes 21,1-5).

Was hier der Seher Johannes sieht, als ein zukünftiges Geschehen am Jüngsten Tage gedacht, das ist die ursprüngliche Schöpfungsidee. So sollte, so könnte die Erde eigentlich und recht verstanden sein, wäre da nicht das Virus des Destruktiven, der Geist der Freude des Herrschenwollens, des Streits, der Unterdrückung Anderer, des Krieges, der Zerstörung, der auf Grund der freien Selbstbestimmung des Menschen in allen Bereichen des Lebens freien Zugang hat.

 

Die Erde könnte ein Paradies sein! Warum ist sie es nicht?

 

Ja, auch das muss gesagt werden:

Weil mein Leben nicht auf meine Entscheidung zurück geht, ich aber, nachdem mein Leben da ist, das Recht auf die Freiheit habe, über alles zu entscheiden, was mein Leben betrifft, habe ich auch zumindest das moralische Recht, mein Leben an Gott den Schöpfer sozusagen im Nachhinein zurück zu geben. 

„Leben? Nein danke!“ Durchaus nachvollziehbar und von Jedem erfahrbar.

 

Und dennoch sollten wir niemals die Lebenseinstellung aufgeben, dass es gerade in schweren Situationen des Lebens besser ist, den klaren Blick für die Wirklichkeit zu bewahren und sich niemals in Tiefsinn und Schwermut sinken zu lassen. Das Leben ist in jeder Situation voll neuer verheißungsvoller Perspektiven. Mit Einfallsreichtum und offensivem Willen dazu, dem Schönen und der neuen Aufgabe immer den Vorrang vor dem Dunklen und scheinbar Niederdrückenden zu geben, wird sich das menschliche Leben in jeder Situation immer wieder als doch lebenswert, doch interessant, doch schön erweisen.

 

„Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich in Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ (Psalm 73, 23-28)  „Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt.“ (Hebräer 10, 35-36)

 

 

Baustein 6

Am Anfang war ein Mensch, der gedacht hat, wie Gott denken würde, wenn er Mensch wäre, der gesprochen hat, wie Gott sprechen würde, wenn er Mensch wäre, der sich verhalten hat, wie Gott sich verhalten würde, wenn er Mensch wäre. Sein Name: Jesus von Nazareth. Sie nannten ihn „Sohn Gottes“, „Menschensohn“,  „Messias“, „Christus“.

 

Am Anfang

schuf Gott den Himmel und die Erde und die Erde war wüst und leer und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.

war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.

schuf Gott den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn, und schuf sie als Mann und Frau.

war ein Mensch,

der gedacht hat, wie Gott denken würde, wenn er Mensch wäre,

der gesprochen hat, wie Gott sprechen würde, wenn er Mensch wäre,

der sich verhalten hat, wie Gott sich verhalten würde, wenn er Mensch wäre.

Sein Name: Jesus von Nazareth. Sie nannten ihn „Sohn Gottes“, „Menschensohn“, „Messias“, „Christus“.

„Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“

Aber sie haben ihn gekreuzigt.

Gekreuzigt wurde Jesus auf Veranlassung der damaligen höchsten religiösen Instanz in Jerusalem („Darf der das?“), also derjenigen, die glaubten, im Namen Gottes reden und entscheiden zu dürfen.

 

„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herren Jesus Christus, der uns nach
seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“ (1. Petrus 1, 3)

 

Auferstanden?

Ja, er ist wahrhaftig auferstanden!

Was bedeutet das?

Die Pharisäer, die Hohenpriester, die Geldwechsler im Tempel, die römischen Legionäre mit ihrer Dornenkrone, die Lästerer „die vorübergingen“ („Steig herab vom Kreuz“), ja sogar Jesus selbst mit seiner Verzweiflung („Eli, Eli, lama asabtani?“ „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“), sie haben nicht Recht behalten.Gott, der Schöpfer, der Anfang, das Wort, hat den, der gedacht, gesprochen, sich verhalten hat, wie Gott denken, sprechen, sich verhalten würde, wenn er Mensch wäre, nicht verlassen. Sein Denken, sein Wort, sein Verhalten, seine Botschaft, bleiben gültig.

Jesus ist weiter unterwegs. Wie mit den Jüngern, die Jerusalem verlassen haben und unterwegs sind nach Emmaus.Jeder Mensch, der sich bemüht zu denken, wie Gott denken würde, wenn er Mensch wäre, zu sprechen, wie Gott sprechen würde, wenn er Mensch wäre, sich zu verhalten, wie Gott sich verhalten würde, wenn er Mensch wäre, sieht Jesus, hört Jesus, spürt seine Nähe, glaubt an ihn, ist sein Jünger oder auch Apostel.Daher werden seine Worte gesammelt, auch sein Lebensverlauf erzählt, Jesus selbst angerufen und um Beistand und Erleuchtung gebeten.

 

 

Baustein 7

Das Ringen um die Deutungshoheit über den gekreuzigten Jesus von Nazareth, über seine Geburt, sein Leben, seine Botschaft, seine Kreuzigung, seine Auferstehung, begleitete schon das Auftreten des historischen Jesus in Galiläa und besonders in Jerusalem, es bricht aber mit voller Wucht erst nach der Kreuzigung aus. Wer war, wer ist dieser gekreuzigte Jesus von Nazareth?

 

Die jetzt wachsende mündliche und schriftliche Aufzeichnung und Weitergabe der Worte und Lebenswege des Jesus von Nazareth stellt eine Art Wikipedia dar: Jeder, der daran mitwirkt, kann seine Sichtweise und Deutung authentisch mit einbringen. Das Kriterium dafür, ob wahr ist, was er einbringt, ist die Akzeptanz durch die Anderen.

 

So entstehenauch Legenden über Jesus und seinen Lebensverlauf,auch neue Akzente bei der Weitergabe seiner Worte, Erläuterungen, Betonungen, Richtigstellungen gegenüber möglichen vermeintlich falschen Verständnissen, gedankliche Weiterentwicklungen angesichts neuer Fragestellungen in der jeweiligen Gegenwart.

 

 

Baustein 8

Frage: Lässt Gott, indem Jesus von Nazareth gekreuzigt wird, seine eigene Schuld am Misserfolg seiner Schöpfungsidee sühnen? Und das an einem Menschen, der selbst ohne Schuld, ohne Sünde ist, also als vielleicht Einziger so ist, wie nach der ursprünglichen Schöpfungsidee alle Menschen sein sollten und nach der Botschaft dieses Jesus von Nazareth auch sein könnten?

 

Was soll die Mission des Jesus von Nazareth sein, wenn nicht die Botschaft, dass und wie das Reich Gottes Wirklichkeit werden kann „auf der Erde“, durch den „Menschensohn“, also durch Menschen. Durch wen sonst?

 

Die Veränderung der Welt (der Verhältnisse auf dem Globus)

geschieht nicht, indem Gott (von oben entgegen den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit und der Kausalität) eingreift, sondern (nur) durch Menschen, in denen der Geist Gottes wirkt.

 

Der Mensch ist die zentrale Möglichkeit der Umsetzung des Gottesgedankens in der Gesellschaft auf der Erde in der Geschichte.

Jedes neu geborene Kind bedeutet eine neue Möglichkeit, dass ein Mensch so denkt, redet, sich verhält, handelt, wie Gott denken, reden, sich verhalten, handeln würde, wenn er Mensch wäre.

Aber diese ursprüngliche Schöpfungsidee, dass sich der Mensch in freier Selbstbestimmung für den Glauben, für das Gute, für die Güte, für den Frieden entscheidet, ist nicht Wirklichkeit geworden.

 

Diese Erkenntnis führt zu der neuen Situation, dass das risikoreiche Experiment „Mensch“ auf der Erde sich nur in immer neuen Anläufen verwirklichen lässt, abermilliardenfach. Die ursprüngliche Schöpfungsidee bleibt Berufung, Verpflichtung, Verantwortung und auch Möglichkeit jedes Menschen. Sie muss umgesetzt werden. Da gibt es kein Zurück.

Das bedeutet: Die Schöpfungssystematik mutet jedem neugeborenen Kind dieses Leben zu.

Hier steht auch der Schöpfer, den Jesus seinen Vater nennt und den auch wir unseren Vater nennen dürfen, in der Verantwortung.



Baustein 9

Welche Botschaft hat Jesus von Nazareth der Menschheit überbracht?

> Jesus hat die Menschen von der Theologie der Sünde befreit und ihrem Leben damit eine neue Grundlage gegeben.

> Jesus ruft die Menschen in der Bergpredigt zum Umdenken auf. „Denkt um, denn das Reich Gottes ist nahe.“

 Matthäus 9,2-8: „Sei getrost, deine Sünden sind dir vergeben.“  „Damit Ihr aber seht, dass der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden die Sünden zu vergeben, - sprach er zu dem Gelähmten: Steh auf, hebe dein Bett auf und geh heim! Und er stand auf und ging heim.“

Lukas 7,48-50: „Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch Sünden vergibt? Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden.“

 

Diese Sätze, die in den Evangelien über Jesus von Nazareth überliefert sind, wurden von Jesus gesprochen vor dem Hintergrund der herrschenden „Theologie der Sünde“: Krankheiten und Tod werden als „der Sünde Sold“ verstanden, auf persönliche Sünden zurückgeführt. Die Botschaft, die von Jesus von Nazareth  v o r  seiner Kreuzigung ausgeht: „Deine Sünden sind dir vergeben. Das Reich Gottes ist nahe.“ Jesu Botschaft: Gott vergibt und schafft so Versöhnung, Friede, Heilung, Heil, Schalom für alle Menschen.

Jesus hat die Menschen von der Theologie der Sünde befreit und ihrem Leben damit eine neue Grundlage gegeben.

Sein Ruf: Denkt um; denn das Reich Gottes ist nahe!
(Matthäus 4,17; 4,23-25) Griechisch: „metanoeite“ = denkt um, denkt anders.

 

Jesus ruft die Menschheit nicht nur zum Umdenken auf, sondern zeigt in der Bergpredigt (Matthäus 5 – 7) zugleich einen Weg auf, wie Umdenken aussieht, damit das Reich Gottes auf der Erde Wirklichkeit werden kann.

Damit weist er der Menschheit zugleich die Verantwortung dafür zu, dass und wenn Paradies als die ursprüngliche Schöpfungsidee nicht verwirklicht wird.

 

Der Kern der Botschaft der Bergpredigt  sind die „Seligpreisungen“

(Matthäus  5,1-10, Lukas 6,20-23): „Selig“ genannt werden die Armen, die Leidtragenden, die Sanftmütigen, die Hungernden und Dürstenden, die Barmherzigen, die Reinherzigen, die Friedenmachenden, die Verfolgten.

Das Reich Gottes auf Erden kann Wirklichkeit werden, wenn sie, die Armen, die Leidtragenden, die Sanftmütigen, die Hungernden und Dürstenden, die Barmherzigen, die Reinherzigen, die Friedenmachenden, die Verfolgten „das Erdreich besitzen“.

 

Die Botschaft lautet nicht: „Jesus ist gestorben, damit Gott den Armen, Leidtragenden, Sanftmütigen, Hungernden, Dürstenden, Barmherzigen, Reinherzigen, Friedenmachenden und Verfolgten ihre vermeintlichen Sünden vergeben kann.“ Sondern: „Jesus hat als Gottes Willen verkündet, dass die Verhältnisse auf der Welt in deren Sinne verändert werden sollen und können.“

„Was Ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt Ihr mir getan.“ „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

 

Ich frage: Ging dieser Botschaft ein Umdenken Gottes voraus?

Historisch ist nur dies:

>> Jesus von Nazareth hat eine neue Botschaft Gottes an die Menschen verkündet („Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist … Ich aber sage euch …“) und ist gekreuzigt worden.

>> Menschen glaubten und glauben, dass Gott ihn danach auferweckt hat in eine neue Existenz. „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.“ (Markus 16,6)

 

 

Baustein 10

Wie kann dann der Kreuzigungstod Jesu verstanden werden?

„Seht das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt!“

 

Der gekreuzigte, mit einer Dornenkrone verspottete Jesus verkörpert im wahrsten Sinne des Wortes alle Menschen, die gequält, gefoltert, verfolgt, erniedrigt und gedemütigt werden, alle Opfer einer Welt, in der Gottes Wille missachtet wird und Macht sich über Recht und Menschenwürde stellt.

Jesus verkörpert leibhaftig diejenigen, die in der Bergpredigt selig gepriesen werden: die Armen, die Leidtragenden, die Sanftmütigen, die Hungernden und Dürstenden, die Barmherzigen, die reines Herzen sind, die Geschmähten und Verfolgten.

Insofern trägt der gekreuzigte Jesus „der Welt Sünde“, er hält der Welt Sünde aus, die Qualen und Schreie der Opfer einer gottlosen Welt.

Johannes-Evangelium 1,29: „Am nächsten Tag sieht Johannes (der Täufer), dass Jesus zu ihm kommt, und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.“

 

Die Botschaft: Aber Gott ist solidarisch mit dem, der scheinbar den Machenschaften der Mächtigen in Politik und Religion ausgeliefert ist, solidarisch mit allen Ohnmächtigen. „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“  „Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“  „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

 

Gott ist der Barmherzige, Solidarische, Tröstende, Weinende, ja, Leidende.

Gott weint, wenn ein Mensch weinen muss, Gott hungert, wenn ein Mensch hungern muss, Gott leidet, wenn ein Mensch leiden muss, ja, Gott stirbt, wenn ein Mensch sterben muss. „…mit Christus sterben, mit Christus auferstehen.“

 

 

Baustein 11

Eben wegen dieser Botschaft (Gott ist nahe. Deine Sünden sind dir vergeben. Gehe hin in Frieden.) wird Jesus von der Hohen Priesterschaft in Jerusalem zum „Gotteslästerer“ erklärt. Aber die Priesterschaft in Jerusalem hat durchaus begriffen, dass die Botschaft Jesu nicht nur eine religiöse Dimension umfasst, sondern auch eine politische Dimension im Sinne der Bergpredigt .

 

„Darf der Sünden vergeben? Bist du Gottes Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr sagt es, ich bin es. Da zerriss der Hohepriester seine Kleidung und sprach: Er hat Gott gelästert.“ (Lukas 22,70 / Matthäus 26,65).

 

Angeklagt vor Pontius Pilatus, dem Repräsentanten der Römischen Staatsmacht,  aber wird er, weil er angeblich „unser Volk aufhetzt und spricht, er sei Christus, ein König“ (Lukas 23,2). Ich sehe in dieser Formulierung nicht eine plumpe Lüge, sondern eine Spur, die zeigt, dass die Priesterschaft in Jerusalem durchaus begriffen hat, dass die Botschaft Jesu nicht nur eine religiöse Dimension umfasst, sondern auch eine politische Dimension im Sinne der Bergpredigt .

Pontius Pilatus allerdings stellt, nachdem er die Vorwürfe offensichtlich geprüft hat, nach Lukas 23,13-22 fest: „Ich habe an diesem Menschen keine Schuld gefunden, deretwegen Ihr ihn anklagt. Was hat denn dieser Böses getan?“

Und doch lässt er Jesus kreuzigen, angesichts der aufgewiegelten, „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“ schreienden Volksmenge. „Und ihr Geschrei nahm Überhand. Und Pilatus urteilte, dass ihre Bitte erfüllt werde.“ (Lukas 23,23-24)

 

 

Baustein 12

In der Theologie der Generation nach Jesus hat die alte, von Jesus überwundene Sündenideologie ihre Auferstehung erlebt.

 

Es ist verständlich und nachvollziehbar, dass die führenden Persönlichkeiten der Urgemeinde in ihrem Ringen auf „die Schrift“, also die Propheten, die Psalmen, die Bücher Mose des Alten Testaments zurückgreifen, um das Leben, die Botschaft und das Sterben dieses Menschen aus Nazareth nicht als sinnlos, sondern als sinnvoll und gottgewollt darzustellen.

Auch Paulus, der sich von Gott zum Apostel des Glaubens an den auferstandenen Jesus Christus bekehrt und berufen weiß und zwar zum Apostel dieses Glaubens unter „den Griechen“, also den nicht in der jüdischen Tradition verwurzelten, griechisch sprechenden Menschen des Römischen Reiches, auch Paulus greift in seinen Briefen an die nach und nach entstehenden und wachsenden christlichen Gemeinden immer wieder auf „die Schrift“, also das Alte Testament, als Deutungsgrundlage zurück. Und ein zentraler Punkt dieser Deutungsgrundlage ist „die Theologie der Sünde“.

Paulus, 1. Korinther 15,3: „Ich habe euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe, dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift.“

 

In der Theologie der Generation nach Jesus hat also die alte, von Jesus überwundene Sündenideologie ihre Auferstehung erlebt. Oder anders formuliert: die überkommene Theologie der Sünde wurde weiter entwickelt, sozusagen der neuesten Entwicklung angepasst, aber ihre Gültigkeit stand offenbar außer Frage.

 

Und dies ist das System der Theologie der Sünde:

Der Mensch wird als Sünder geboren. Er bleibt ein Sünder sein Leben lang. Diese Sünde ist eine Störung der Welt- und Heilsordnung. Alles, was in der Welt als Störung empfunden wird, also Bosheit und Krankheit, wird auf eben diese Sünde zurück geführt. Die Heilsordnung der Welt kann nur Bestand haben, wenn die Sünde durch Buße ausgeglichen wird. Im Alten Testament wurde ein Lamm, das als unschuldig galt, als Opfer dargebracht für die Sünde(n) des Volkes. Sünde kann nicht einfach nur vergeben werden, Sünde muss getilgt werden durch Bußübungen und Darbringung von „Opfern“.  

Krankheit, Armut und Tod sind aus der Sicht dieser Ideologie nur als „der Sünde Sold“, also als Strafen Gottes, des obersten Wächters dieses Systems, zu verstehen. Gott ist der oberste Wächter dieses ideologischen Rechtssystems „Sünde“. Oberster Wächter, ja, aber Bestandteil dieses Systems.

Die Propheten, die Botschafter, die Apostel dieses Systems können daher auch den Kreuzestod Jesu nur verstehen als Opfertod im Sinne dieses Systems. Gott, der höchste Wächter dieses Systems, opfert als Vater seinen Sohn, den Einzigen, der selbst ohne Sünde ist, um dadurch alle mit der Sünde Beladenen zu entsühnen. „Gott selber ist erschienen zur Sühne für sein Recht“ (Jochen Klepper). Gott opfert seinen Sohn (wie Abraham seinen Sohn Isaac), damit die Sünde der Menschheit getilgt wird und auf diesem Wege die gestörte Heilsordnung wieder hergestellt wird.

Das Institut des Sündenmechanismus, also derjenigen Spielregeln, nach denen Sünden vergeben werden dürfen, steht über Gott. Gott vergibt zwar, aber nur unter Wahrung dieser Spielregeln. Gott ist der ferne Gott, der auf  einem Thron sitzend die Menschen da unten richtet.

 

Aber dieser Christus des Glaubens hat schon als Jesus von Nazareth die Botschaft verkündet, „dass der Menschensohn die Vollmacht hat, auf Erden die Sünden zu vergeben“. Martin Luther im Katechismus: „.. und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn‘ all mein Verdienst und Würdigkeit.“

Gott ist der nahe Gott. „ denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Paulus: „in ihm leben, weben und sind wir.“

 

 

Baustein 13

Wie konnten sich christliche Theologen zu der Idee versteigen, dass Krankheit, Not und Elend irgendwie eine Folge von Sünde sein müsse, also als Strafe Gottes gedeutet werden müsse oder zumindest könne?

 

Die Mendelschen Gesetze sind keine menschliche Erfindung, sondern ebenfalls Schöpfungslogik. Und der mit hochgradiger Neurodermitis Geborene, der von Anderen Getretene und Geschundene und viele Andere auf der Schattenseite des Lebens, sie leiden nicht „um … willen“, sondern sie leiden einfach nur!

Diejenigen, die Hunger leiden, die durstig nach Wasser rufen, die Leid ertragen, nicht um irgendeines „höheren Wertes willen“, also als Märtyrer für irgendein gedankliches System, sondern einfach nur hungern, verdursten, leiden, sonst nichts. Werden sie etwa nicht selig gepriesen?

Bei Matthäus 5,1-10 nicht, bei Lukas 6,20-23 ja! Lukas: die Hungernden, Durstenden, Verfolgten.  Matthäus: die „nach der Gerechtigkeit“ Hungernden und Durstenden, die „um der Gerechtigkeit willen“ Verfolgten. Die Matthäus-Fassung entschärft die ursprüngliche, offenbar provozierende Aussage, dass diejenigen, die einfach nur Hunger, Durst und Verfolgung leiden, selig gepriesen werden.

 

Was hat die christliche Theologie nur getrieben, solche von Leid, Not und Verfolgung gequälten Menschen von der Verheißung der Seligpreisung auszuschließen, wenn ihr Leiden nicht das Leiden christlicher Märtyrer ist?

 

Ja, wie konnten sich christliche Theologen gar zu der Idee versteigen, dass Krankheit, Not und Elend irgendwie eine Folge von Sünde sein müsse, also als Strafe Gottes gedeutet werden müsse oder zumindest könne?

 

 

Baustein 14

Das Reden von der Sünde ist geradezu die berauschende Droge fast aller Theologien nach Jesus geworden.

 

In der Theologie der Generationen nach Jesus hat die alte, von Jesus überwundene Sündenideologie ihre Auferstehung erlebt und später in der Kirche neue Triumphe gefeiert.

Die sich nach Jesus entwickelnde „Kirche“, die sich als Verwalterin der Überlieferung versteht, hat mit ihrer Theologie der Sünde Gott und Jesus dazu instrumentalisiert, um die Menschen „ordentlich“ zu machen, durch Gebote, vor allem Verbote, Mahnungen, Androhungen, Lehrsätze. Ihr strategischer Ansatz: Der Mensch ist vor allem und zuallererst und immer „Sünder“. um die Gläubigen gegenüber der Institution Kirche gefügig zu machen.

Nicht nur in der katholischen Kirche, sondern ganz besonders intensiv in den Kirchen der Reformation und natürlich in allen Sekten, wo in besonders penetranter Weise eine Kausalität hergestellt wird zwischen negativen Lebenserfahrungen (Krankheit, Unglück, Misserfolg, sogar Tod) und den persönlichen Sünden des Einzelnen als Ursache dafür.

 

Nur die Kirche kann den grundsätzlich sündigen Menschen zeitweilig und unter bestimmten Bedingungen frei sprechen (Kirche als Ratingagentur).

Aber eine echte Chance, sich von diesem Sündersein, diesem angeborenen Makel und Fluch zu befreien, hat der Mensch nicht. Im Gegenteil, wer leugnet, Sünder zu sein, oder wer sich „mit des Gesetzes Werken“ von dieser Sünde befreien will, ist gerade dann und dadurch erst recht Sünder.

 

Martin Luther hat als junger Mönch im Augustiner-Eremiten-Kloster in Erfurt diese Theologie der Sünde schonungslos brutal ernst genommen und verinnerlicht und in der Folge ungeschönt offen bekannt und beschrieben, zu welchem Lebensgefühl im Glaubenden diese Lehre führt: „Mein Sünd‘ mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren. Die Angst mich zu verzweifeln trieb, dass nichts denn Sterben bei mir blieb. Zur Hölle musst‘ ich sinken.“ Erst nachdem er sich der Hölle dieser Lehre radikal ausgesetzt hatte, fand er den Weg zu der erlösenden Erkenntnis „gerecht durch Glauben“, also wer glaubt, ist nicht mehr „Sünder“.

Aber die durch Luther ins Leben gerufene Kirche redet danach nach wie vor und pausenlos wieder von dem sündigen Sein des Menschen.

Das Reden von der Sünde ist geradezu die berauschende Droge fast aller Theologien nach Jesus geworden.

 

 

Baustein 15

Der eigentliche, der historische Jesus wurde in den Generationen nach Jesus, von der oben beschriebenen Richtung der Theologie, der Menschheit  und den Gläubigen vorenthalten. Sein Programm von der Verwirklichung des Reiches Gottes („Die Bergpredigt“) wurde nach Jesus von der christlichen Kirche und der politischen Führung des christlichen Abendlandes als Illusion eingestuft und in den Himmel zurück verwiesen; hier auf der Erde ging man danach wieder zur Tagesordnung über.

 

Die Kirche inthronisierte sich Schritt um Schritt als höchste Instanz über den sündigen, ein für alle Mal der Sünde verfallenen Menschen, die Politik verstand sich Jahrhunderte lang als ein Regiment von Gottes Gnaden und übte sich weiterhin im Kampf um Macht in der Welt, der einzelne Mensch wurde als Untertan eingestuft und zum Gehorsam verpflichtet. Auf diese Weise wurde Jesus von Nazareth zwar nicht direkt ein zweites Mal gekreuzigt, aber einfach ganz weit in den Himmel verbannt, in der Politik, aber auch in der Kirche, wo an die Stelle des ganz oben irgendwo im Himmel zur Rechten Gottes thronenden Jesus die Kirche und die von ihr legitimierten Heiligen als Weitergeber von Fürbitten und Flehen der armen Sünder traten.

Der eigentliche, der historische Jesus wurde so der Menschheit  und den Gläubigen vorenthalten.

 

                                                                                                                                       

Baustein 16

Dabei könnte man die Bibel durchaus auch so verstehen, dass der Mensch eigentlich nicht Sünder ist, sondern Bild Gottes, dass er eigentlich nicht zum Sündersein geschaffen ist, sondern dazu, sich seines ihm von Gott geschenkten Lebens zu freuen und unterwegs in seinem Leben mit Gottes Gedanken zu denken und mit Gottes Willen zu wollen. Zur Ehre Gottes und zur Freude und zum Segen für ihn selbst und für alle Menschen.

 

Wir haben nur dieses eine Leben, kein Anderer kann es für uns leben, wir müssen alles selbst tun oder erleiden.

„Du musst deinen Weg alleine gehen.“

 

Alles, was wir tun müssen, wenn wir leben,

leben (lernen), einschlafen (lernen), aufwachen (lernen), essen (lernen), trinken (lernen), abführen (lernen), mit anderen Menschen zusammen leben (lernen), Kindergarten, Schule, Beruf, Lebensunterhalt verdienen, Familie ernähren, Kinder erziehen, schließlich auch alt sein (lernen) und sterben (lernen),

kann ein wunderbares Erlebnis von Erfolg und Glück sein.

Es ist aber zuallererst immer auch eine Zumutung.

Niemand kann es für mich tun. Ich muss es selber tun.

Ich kann dagegen protestieren und rebellieren. Ich kann sehr Vieles, was mir zugemutet wird, „Scheiße finden“ (Zitat, so häufig von Jugendlichen zu hören), dafür gibt es durchaus Gründe, die nachvollziehbar sind. Aber das ändert nichts daran, dass ich es machen muss und nur ich. Mein Leben ist nun einmal mein Leben. Niemand anders kann mein Leben leben.

Was als Grundrecht, als Recht auf persönliche Freiheit in Verfassungen und Rechtsordnungen deklariert wird, es kann natürlich als eine wunderbare Chance verstanden werden, es ist aber immer auch eine Zumutung.

Ich selbst, nur ich selbst kann und muss diesen Weg gehen.

 

Ja, auch das muss gesagt werden:

Weil mein Leben nicht auf meine Entscheidung zurück geht, ich aber, nachdem mein Leben da ist, das Recht auf die Freiheit habe, über alles zu entscheiden, was mein Leben betrifft, habe ich auch zumindest das moralische Recht, mein Leben an Gott den Schöpfer sozusagen im Nachhinein zurück zu geben.  „Leben? Nein danke!“ Durchaus nachvollziehbar und von Jedem erfahrbar.

Und dennoch sollten wir niemals die Lebenseinstellung aufgeben, dass es gerade in schweren Situationen des Lebens besser ist, den klaren Blick für die Wirklichkeit zu bewahren und sich niemals in Tiefsinn und Schwermut sinken zu lassen. Das Leben ist in jeder Situation voll neuer verheißungsvoller Perspektiven. Mit Einfallsreichtum und offensivem Willen dazu, dem Schönen und der neuen Aufgabe immer den Vorrang vor dem Dunklen und scheinbar Niederdrückenden zu geben, wird sich das menschliche Leben in jeder Situation immer wieder als doch lebenswert, doch interessant, doch schön erweisen.

 

„Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich in Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ (Psalm 73, 23-28)                                                                                                                                      „Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt.“ (Hebräer 10, 35-36)


Baustein 17

Luther: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Das war einmal.

Das Denksystem der Theologie der Sünde herrscht auch in den Evangelischen Kirchen.

Das Gedicht von Paul Gerhard: „O Haupt voll Blut und Wunden“ ist die Beschreibung des Supergaus dieses Denksystems.

 

Die Generation nach Jesus von Nazareth, die sich nach der Passion und dem Ostergeschehen nach und nach als Kirche organisierte, hat dieses  oben beschriebene System „Sünde“, das Jesus von Nazareth überwunden hatte, neu etabliert. Jesus der Gekreuzigte wird systemimmanent gedeutet, dies mit Zitaten aus dem Alten Testament belegt und schließlich in das christliche Glaubensbekenntnis integriert. In den folgenden eineinhalb Jahrtausenden ist dann dieses System perfektioniert und für die Betroffenen noch viel erdrückender und unterdrückender als jemals zuvor im Sinne des unantastbaren Führungsanspruchs der Kirche instrumentalisiert worden.

 

Bis in dem Mönch Martin Luther nach langen und zähen inneren Kämpfen die Erkenntnis reifte, dass der Mensch „allein aus Glauben“ „ohne des Gesetzes Werke“ vor Gott als „gerecht“ dastehen darf. Nachdem der Ablassprediger Tetzel  die Handhabung dieses Systems ad absurdum geführt hatte, offenbarte sich dem nachfragenden und nachdenkenden Mönch und Gelehrten „das Evangelium“, die Botschaft von der „Freiheit eines Christenmenschen“. „Allein aus Glauben.“

In These 1 seiner 95 Thesen formuliert Luther. „ Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: "Tut Buße" usw. (Matth. 4,17), hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.“ Mit dieser These setzt Luther das gesamte Instrumentarium des kirchlichen Sünden- und Bußregisters außer Kraft. Das gesamte Leben eines Menschen ist ein Ringen um den richtigen Weg für das eigene Denken und Handeln und für das Verhältnis eines Menschen zu Gott. Warum hat Luther nicht schon damals die griechische Formulierung für „Tut Buße“, nämlich „metanoeite“ = denkt um, denkt anders, in die theologische Diskussion eingebracht? Möglicherweise deshalb, weil Luther nicht den griechischen Urtext des Neuen Testaments zur Übersetzung herangezogen hat, sondern die lateinische Fassung der Vulgata. „Dominus et magister noster Iesus Christus dicendo ,Penitentiam agite etc.' omnem vitam fidelium penitentiam esse voluit.”  Luther hat in dieser Frage die Wurzeln des Evangeliums, wie sie in der Berg- oder Feldpredigt bei Matthäus und Lukas dargestellt sind, wieder neu entdeckt.

 

Aber schon nach Luther hat die reformatorische Orthodoxie und besonders der fromme Pietismus das System Sünde erneut und zwar bis in die feinsten Nervenstränge des menschlichen Denkens und Handelns hinein weiter entwickelt, noch unentrinnbarer als die relativ einfachen Sünden- und Bußregister der vorreformatorischen römischen Kirche. Jeder zweite Satz aller frommen Texte, Gedichte und Lieder enthält das Wort „Sünde“. Sünde, nichts als Sünde. „Schau her, hier steh’ ich Armer, der Zorn verdienet hat. Gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad!“ (Paul Gerhard) „Mein Sünd mich quälte Nacht und Tag, darin ich war geboren. Die Angst mich zu verzweifeln trieb, dass nichts denn Sterben übrig blieb.“ (Luther)

 

In dem grandiosen Gedicht von Paul Gerhard „O Haupt voll Blut und

Wunden“ prallen zwei Denk- und Glaubens-Systeme frontal aufeinander.

 Nirgendwo wird eindringlicher, direkter und erschütternder beschrieben,

wie ein Mensch der Willkür seiner Peiniger ausgeliefert ist, und dass eben dieser leidende Jesus eine Hoffnung ist für Alle, die sich in einer extremen Grenzsituation des Lebens befinden.

„O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn,

O Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron,

O Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier,

jetzt aber hoch schimpfieret, gegrüßet seist du mir.

Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut
das große Weltgewichte, wie bist du so bespeit!
Wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Augenlicht,
dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht’t?

Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir.

Wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür.

Wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein,

so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.“



Aber nirgendwo wird zugleich direkter und ungeschönter das Dogma

ausgesprochen, dass Jesus am Kreuz meine Sünde(n) sühnt.

„Nun was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last.

Ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast.

Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat.

Gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad.“

Was Jesus erleidet, ist meine Schuld. Ich bin schuld am Kreuzestod Christi!

 

Das ist die Beschreibung des Supergaus des Glaubens!

In einer Zeit, wo die Menschen ihren Krankheiten und ihrem Siechtum chancenlos ausgeliefert sind, wo die Menschen die wehrlosen Opfer der Willkür und Gewalt von Machthabern und Kriegstreibern sind (dreißigjähriger Krieg!), in dieser Zeit verkündet ihnen ein Geistlicher, dass sie es sind, die den Tod Jesu am Kreuz verschuldet haben.

Und das soll Evangelium sein, frohe Botschaft?

 

Wie anders klingt da diese Stimme, von Johann Andreas Cramer (1723-1788)

„Das sollt Ihr Jünger Jesu nie vergessen:

Wir sind, die wir von einem Brote essen,

aus einem Kelche trinken, Jesu Glieder, Schwestern und Brüder.

Wenn wir wie Brüder bei einander wohnten,

Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten,

dann würden wir den letzten heilgen Willen

des Herrn erfüllen.“

 

„Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner
Jünger zwei und ließ ihm sagen: Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir
eines anderen warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret: die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt.“ (Matthäus 11, 2-5)

 

 

Baustein 18

Der Mensch in seinem Alltag in Beruf, Familie, Pflichten, Sorgen und Nöten braucht keine Sünden- und Bußpredigten, damit er sich einredet und einbildet, Jesus wäre für seine Alltagsverfehlungen am Kreuz gestorben,

der Mensch in seinem Alltag in Beruf, Familie, Pflichten, Sorgen und Nöten braucht Zuspruch, Zuflucht, Ermunterung, Zuversicht, Erbauung, Grund und Anlass für kleinere und größere Freuden.

 

Jeder Mensch ist dem Leben und seinen Gesetzmäßigkeiten ausgesetzt, ja, ausgeliefert. Die eigentlich logische Folge: die Solidarität, die Bruderschaft aller dem Leben Ausgesetzten. 

 

Jesus von Nazareth aber, also derjenige, der in den synoptischen Evangelien Matthäus, Markus und Lukas als redende und handelnde Person der Geschichte dargestellt ist, hat die Menschen von der Knechtschaft unter der Diktatur dieses Systems der Sünde befreit.

Lukas 4, 14-21 (Jesus liest in der Synagoge Jesaja 61,1-2): „.. zu verkünden das Evangelium den Armen, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, und zu verkünden das Gnadenjahr des Herrn.“

 

 

Baustein 19

Im Kern sind diese beiden Gedankensysteme (hier Jesus und die Bergpredigt, dort das neu etablierte System der Sünde) nicht vereinbar. Wenn es zum extremen Ernstfall kommt, ist das ein Supergau für jeden Glaubenden. Und doch haben beide Gedankenwege einen gemeinsamen Ausgangspunkt, nämlich die Erkenntnis, dass die Verläufe des Lebens vieler einzelner Menschen und der Verlauf der Geschichte der Menschheit nicht der ursprünglichen Schöpfungsidee entsprechen können und sich nur schwer als Wille Gottes verstehen lassen.

 

Für jeden dieser Glaubenswege gibt es in der Bibel Belege. Und für jeden dieser Glaubenswege gibt es auch im Gesangbuch entsprechende Verse, die wir Gottesdienstbesucher Sonntag für Sonntag singen (müssen).

 

Im Neuen Testament jenseits der synoptischen Evangelien und im Gesangbuch wird der Glaubende konstant und immer wieder mit der Theologie der Sünde konfrontiert. Und doch halten sich diese Aussagen dabei in Grenzen, wenn es nicht so extrem auf den Punkt gebracht wird wie bei Paul Gerhard. Aber es kann dennoch jeder Zeit in der Seele und im Geist eines Einzelnen zum Supergau kommen.

 

Und doch haben wahrscheinlich beide Gedankenwege einen gemeinsamen Ausgangspunkt, nämlich zum Einen die Feststellung und Erfahrung, dass es im Verlauf eines menschlichen Lebens und im Verlauf der Geschichte der Menschheit unendlich Viel an Leid, Schmerzen, Armut, Tod, Schuld und Verstrickungen, Angst und Pein gegeben hat und in jeder Gegenwart aufs Neue gibt, und zum Anderen die Erkenntnis, dass diese Vorgänge nicht der ursprünglichen Schöpfungsidee entsprechen können und die Verläufe des Lebens vieler einzelner Menschen und der Verlauf der Geschichte der Menschheit sich nur schwer als Wille Gottes verstehen lassen.

 

„Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“

 

> Die Botschaft der Bergpredigt weiß Gott gerade in diesen Situationen an der Seite der leidenden Menschen.

> Das System Sünde rechtfertigt Gott, indem der Zustand dieser Welt auf die Sünde des Menschen und der Menschheit zurückgeführt wird und daher nicht als Wille Gottes verstanden werden darf.

 

Die Kirchen und die Wissenschaft sind aufgerufen, hier endlich für klare gedankliche und wissenschaftliche Verhältnisse zu sorgen.

Ich für meine Person habe die Entscheidung getroffen:

Nach meiner Überzeugung ist das Gedankensystem einer Theologie der Sünde ein Rückfall in die Theologie vor Jesus von Nazareth und vor Martin Luther. 

 

Baustein 20

Gibt es Tage Leben, die ich mitnehmen werde in den Himmel?

Ja, es gibt sie. Es gibt Tage, die in mir eine Ahnung hervorrufen, dass ich sie mitnehmen werde in den Himmel.

 

Kein Tag Leben ist, was er ist, ohne alle Tage Leben, die ihm vorausgegangen sind. In jedem Tag Leben ist immer zugleich auch das ganze Leben bis dahin enthalten.

Jeder neue Tag ist eine neue Möglichkeit,

Freude zu behalten, Angst zu überwinden, Zweifel durch neuen Mut zu besiegen, vieles einfach so weiter zu machen, aber manches auch zu überdenken und neu zu versuchen.

Jeder neue Tag ist ein neues Angebot,

alle Tage Leben bis dahin irgendwie neu zu verstehen.

In einem einzigen Tag Leben kann sich eine neue Einstellung zum Leben als ein Ganzes offenbaren und sich ein neues Lebensgefühl Bahn brechen.

Und dann sind alle Personen, Situationen und Entscheidungen des gesamten bisherigen Lebens zugegen.

In diesem Augenblick erlebe ich Harmonie mit meinem Leben, wie es verlaufen ist, und mit mir selbst. Einen solchen Tag Leben werde ich mitnehmen in den Himmel, was immer auch danach geschehen mag.

 

Johannes Evangelium 11, 25-26:

Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebet und glaubet an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.

 

Gibt es Tage Leben, die ich mitnehmen werde in den Himmel?

Ja, es gibt sie. Es gibt Tage, die in mir eine Ahnung hervorrufen, dass ich sie mitnehmen werde in den Himmel.

 

„…. mitnehmen in den Himmel.“ Wo ist das?

Ein Mensch, seit dem Augenblick seiner Zeugung, war nie nichts und wird nie nichts sein. Was ist, wird nie nichts sein.

Zwar kann ich durchaus mit Martin Heidegger fragen:

„Warum ist überhaupt Seiendes und nicht vielmehr Nichts?“

Aber Seiendes, wenn es denn einmal ist, wird nie Nichts sein.

Ein Mensch, jeder Mensch ist Bestandteil einer umfassenden, übergeordneten Welt, ein winziger, ein nano-kleiner, ja, aber doch Bestandteil.                                             

In dieser Welt gilt das Gesetz des Werdens und Vergehens, des Wandels und der Veränderung.  „Alles fließt, wir steigen in denselben Fluss und wir steigen nicht in denselben Fluss, wir sind (es) und wir sind (es) nicht“, erkannte schon Heraklit von Ephesos (520 – 460 vor Christus).

Aber es gilt auch das Gesetz von der Erhaltung der Materie und der Energie.

Weder Masse (Materie) noch Energie sind aus Nichts entstanden, sind also schon immer („ewig“) existent. Und weder Masse noch Energie können sich jemals in Nichts auflösen, werden also immer („ewig“) existieren.

Bei den Vorgängen, die wir in der Natur beobachten, verwandelt sich Energie lediglich von einer Form in eine andere, wobei jedoch nichts von ihr verlorengeht oder neu hinzukommt.  Auch Materie kann nicht verlorengehen; auch sie kann sich nur umwandeln von einer Form in die andere, wie etwa bei den chemischen Reaktionen.

Die beiden Gesetze von der Erhaltung der Materie und der Energie gehören zu dem sichersten Erkenntnisgut, das die Naturwissenschaft besitzt

Wenn das so ist, dann ist die Vermutung zumindest naheliegend und einleuchtend, dass dieses „Erhaltungsgesetz“ auch für das „Menschsein“ gilt, also die Welt des Geistes, des Denkens, des Glaubens, der Liebe, der Hoffnung und der Seele. Das bedeutet: Der Tod kann die unverwechselbare Individualität eines Menschen nicht einfach zu einem Nichts auslöschen, sondern ist der Augenblick des Wandels, der Verwandlung.

Thomas von Aquin (1181-1224) hat das so formuliert:

„Wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.“ 
 












Mein Glaubensbekenntnis.pdf


Die Maria und der Jesus von Lofer.pdf


Die Botschaft vom Reich Gottes in der Bergpredigt.pdf



Gott - Erde - Menschheit.pdf